Hundekommunikation verstehen: Der Schlüssel zu sicherer Betreuung
Wer seinen Hund in eine Hundepension gibt, möchte vor allem eines: Sicherheit. Der Hund soll gut betreut werden, sich wohlfühlen, ausreichend Ruhe bekommen und gesund wieder nach Hause kommen. Trotzdem hört man immer wieder von Beißereien in Hundepensionen oder Hundetagesstätten. Gleichzeitig gibt es Betriebe, in denen solche Vorfälle äußerst selten sind.
Woran liegt das? Sind manche Hunde „einfach aggressiv“? Haben manche Pensionen nur Glück? Oder gibt es klare fachliche, organisatorische und strukturelle Gründe dafür, warum es in manchen Einrichtungen häufiger kracht als in anderen?
Die ehrliche Antwort lautet: Beißereien entstehen fast nie aus dem Nichts. Meist sind sie das Ergebnis mehrerer Faktoren, die zusammenkommen: Gruppenzusammenstellung, Stress, Überforderung, fehlende Ruhe, mangelnde Aufsicht, falsches Einschätzen von Körpersprache oder zu viel Freiheit ohne klare Struktur.
In diesem Artikel erklären wir, warum Beißereien in Hundepensionen entstehen können, welche Risikofaktoren es gibt und worauf verantwortungsvolle Hundepensionen achten, um Hunde bestmöglich zu schützen.
1. Hundegruppen sind kein Selbstläufer
Viele Menschen stellen sich eine Hundepension so vor: Mehrere Hunde laufen gemeinsam auf einer großen Fläche, spielen miteinander und haben den ganzen Tag Spaß. Für manche Hunde kann kontrollierter Sozialkontakt tatsächlich schön sein. Aber eine Hundegruppe ist kein Selbstläufer.
Hunde sind soziale Lebewesen, aber sie sind nicht automatisch mit jedem anderen Hund verträglich. Genau wie Menschen haben sie individuelle Vorlieben, Abneigungen, Grenzen und Tagesformen. Manche Hunde mögen ruhige Artgenossen, reagieren aber empfindlich auf stürmische Hunde. Andere sind unsicher, kontrollierend, ressourcenbezogen oder schnell überfordert.
Eine gute Hundepension fragt deshalb nicht nur: „Ist der Hund verträglich?“, sondern viel genauer:
Wie verhält sich der Hund bei Erstkontakt?
Wie geht er mit aufdringlichen Hunden um?
Kann er sich zurücknehmen?
Akzeptiert er Grenzen anderer Hunde?
Verteidigt er Futter, Spielzeug, Liegeplätze oder Menschen?
Ist er eher unsicher, distanzlos, jagdlich motiviert oder kontrollierend?
Wie schnell fährt er hoch, und wie gut kommt er wieder zur Ruhe?
Der Unterschied zwischen einer sicheren und einer riskanten Gruppenhaltung liegt häufig genau hier: Nicht jeder Hund passt zu jedem Hund.
2. Die häufigste Ursache: falsche Zusammenstellung der Gruppen
Eine der wichtigsten Ursachen für Beißereien ist eine unpassende Gruppenzusammenstellung. Dabei geht es nicht nur um Größe oder Rasse. Natürlich kann ein sehr großer, körperbetonter Hund für einen kleinen oder zarten Hund gefährlich werden. Aber mindestens genauso wichtig sind Temperament, Sozialverhalten, Alter, Energielevel und Stressverhalten.
Problematisch wird es zum Beispiel, wenn ein sehr junger, distanzloser Hund mit einem älteren, ruhebedürftigen Hund zusammengebracht wird. Oder wenn mehrere sehr aktive Hunde sich gegenseitig hochschaukeln. Auch unsichere Hunde können in Gruppen schnell unter Druck geraten, wenn sie von anderen bedrängt werden und keine echte Ausweichmöglichkeit haben.
Besonders riskant sind Gruppen, die nach dem Motto zusammengestellt werden: „Die Hunde machen das schon unter sich aus.“ Genau das ist oft der Beginn eines Problems. Hunde regeln Konflikte durchaus selbst – aber nicht immer fair, nicht immer angemessen und nicht immer ohne Verletzungen. In einer professionellen Betreuung ist es Aufgabe des Menschen, Situationen frühzeitig zu erkennen und gar nicht erst eskalieren zu lassen.
Eine gute Hundepension setzt Hunde deshalb nicht wahllos zusammen. Sie beobachtet, testet vorsichtig, trennt bei Bedarf und stellt Gruppen so zusammen, dass möglichst wenig Konfliktpotenzial entsteht.
3. Zu große Gruppen erhöhen das Risiko
Je größer eine Hundegruppe ist, desto schwieriger wird es, jedes einzelne Tier im Blick zu behalten. In kleinen, stabilen Gruppen lassen sich Körpersprache, Dynamik und Stimmungswechsel deutlich besser erkennen. In großen Gruppen dagegen können sich Spannungen schneller aufbauen.
Ein einzelner Hund, der bedrängt wird, ein anderer, der Ressourcen kontrolliert, ein dritter, der aufgeregt bellt, und plötzlich kippt die Stimmung. Je mehr Hunde beteiligt sind, desto mehr soziale Wechselwirkungen entstehen. Das macht die Lage komplexer.
Große Gruppen sind nicht automatisch gefährlich, aber sie erfordern sehr viel Erfahrung, klare Strukturen, ausreichend Platz, Rückzugsmöglichkeiten und eine sehr aufmerksame Betreuung. Ohne diese Voraussetzungen steigt das Risiko deutlich.
Für viele Hunde ist eine kleine, passende Gruppe oder sogar Einzelbetreuung die bessere Lösung.
4. Dauerstress wird oft unterschätzt
Viele Beißereien entstehen nicht, weil ein Hund grundsätzlich „böse“ oder „aggressiv“ ist, sondern weil er überfordert ist. Stress verändert Verhalten. Ein Hund, der zu Hause freundlich und entspannt ist, kann in einer fremden Umgebung anders reagieren.
Eine Hundepension bedeutet für viele Hunde zunächst:
neue Gerüche,
neue Menschen,
neue Hunde,
neue Geräusche,
andere Tagesabläufe,
Trennung von den Bezugspersonen,
fremde Schlafplätze,
ungewohnte Fütterungssituationen.
Das alles kann den Stresspegel erhöhen. Kommt dann noch ständiger Gruppenkontakt dazu, fehlt dem Hund die Möglichkeit, wirklich herunterzufahren. Ein übermüdeter oder gestresster Hund ist schneller reizbar, reagiert heftiger auf Nähe und kann schlechter kommunizieren.
Ein häufiger Fehler in Hundebetreuungen ist daher zu viel Programm und zu wenig Ruhe. Hunde brauchen nicht den ganzen Tag Action. Im Gegenteil: Gerade in einer Pension sind Ruhephasen ein zentraler Sicherheitsfaktor.
Professionelle Hundepensionen achten deshalb auf einen klaren Wechsel aus Aktivität, kontrolliertem Sozialkontakt und echter Erholung. Schlaf und Rückzug sind kein Luxus, sondern Beißprävention.
5. Fehlende Rückzugsmöglichkeiten verschärfen Konflikte
Hunde brauchen die Möglichkeit, Abstand zu nehmen. Wenn ein Hund bedrängt wird, sollte er ausweichen können. Wenn er müde ist, sollte er sich zurückziehen können. Wenn ihm ein anderer Hund zu viel wird, sollte er nicht gezwungen sein, sich zu verteidigen.
In ungeeigneten Gruppenbereichen gibt es oft zu wenig Struktur: offene Flächen, keine Trennmöglichkeiten, keine Sichtbarrieren, keine sicheren Ruhebereiche. Das sieht für Menschen manchmal schön großzügig aus, kann für Hunde aber schwierig sein.
Denn eine große freie Fläche bedeutet nicht automatisch Entspannung. Manche Hunde nutzen sie zum Rennen und Hetzen. Andere fühlen sich ausgeliefert. Wieder andere beginnen, Bewegungen zu kontrollieren.
Gute Hundepensionen gestalten Ausläufe und Innenbereiche deshalb so, dass Hunde nicht dauerhaft frontal miteinander konfrontiert sind. Sie schaffen Trennmöglichkeiten, Ruhebereiche und klare Zonen. Wichtig ist nicht nur, wie viel Platz vorhanden ist, sondern wie dieser Platz genutzt und strukturiert wird.
6. Missverstandenes Spiel kann kippen
Viele Konflikte beginnen als scheinbares Spiel. Hunde rennen, rempeln, bellen, springen sich an. Für den Menschen sieht das oft fröhlich aus. Doch nicht jedes wilde Verhalten ist gutes Spiel.
Gutes Hundespiel erkennt man unter anderem an Rollenwechseln, freiwilligen Pausen, lockerer Körpersprache und gegenseitiger Rücksichtnahme. Problematisch wird es, wenn ein Hund ständig gejagt wird, sich nicht lösen kann, immer wieder überrannt wird oder deutliche Beschwichtigungssignale zeigt, die vom anderen Hund ignoriert werden.
Typische Warnzeichen sind:
ein Hund wird immer wieder in die Ecke gedrängt,
ein Hund versteckt sich hinter Menschen oder Gegenständen,
ein Hund friert kurz ein,
die Bewegungen werden steifer,
das Bellen wird schriller oder ernster,
ein Hund legt die Ohren stark an oder zieht die Rute ein,
ein Hund versucht mehrfach auszusteigen, wird aber weiter bedrängt.
Wenn Betreuungspersonen solche Signale nicht erkennen oder zu spät eingreifen, kann Spiel in Mobbing, Stress oder Aggression kippen.
Deshalb ist fachkundige Beobachtung so wichtig. Eine gute Betreuung erkennt nicht erst den Biss, sondern die Minuten davor.
7. Ressourcen sind ein häufiger Streitpunkt
In Hundepensionen gibt es viele mögliche Ressourcen: Futter, Leckerlis, Spielzeug, Liegeplätze, Wasserstellen, Türen, Menschen, Schattenplätze oder erhöhte Positionen. Manche Hunde verteidigen solche Dinge aktiv, andere blockieren sie subtil.
Gerade Futter und Spielzeug sind häufige Auslöser. Wenn Hunde gemeinsam gefüttert werden oder Kauartikel in Gruppen verteilt werden, kann es schnell zu Konkurrenz kommen. Auch Spielzeug kann problematisch sein, weil es Jagd-, Beute- und Verteidigungsverhalten auslösen kann.
Eine verantwortungsvolle Hundepension vermeidet unnötige Ressourcenkonflikte. Fütterung sollte getrennt und in Ruhe stattfinden. Kauartikel sollten nicht frei in Gruppen verteilt werden, wenn Hunde sich gegenseitig stören können. Spielzeug wird nur gezielt und kontrolliert eingesetzt – nicht einfach als Dauerbeschäftigung in einer Gruppe.
Auch der Mensch selbst kann zur Ressource werden. Manche Hunde drängen sich stark an Betreuungspersonen, andere verteidigen Nähe oder Aufmerksamkeit. Auch das muss erkannt und gemanagt werden.
8. Unkastrierte Hunde, Läufigkeit und hormonelle Faktoren
Hormonelle Faktoren können Gruppendynamiken beeinflussen. Läufige Hündinnen, intakte Rüden, Scheinträchtigkeit, Pubertät oder hormonell bedingte Anspannung können das Verhalten verändern.
Das bedeutet nicht, dass unkastrierte Hunde grundsätzlich problematisch sind. Viele intakte Hunde sind sozial sehr gut verträglich. Aber in einer Gruppensituation können Gerüche, Konkurrenzverhalten oder sexuelle Motivation zusätzliche Spannung erzeugen.
Besonders in gemischten Gruppen ist hier Vorsicht notwendig. Läufige Hündinnen gehören nicht in normale Hundegruppen. Auch junge Hunde in der Pubertät sollten sorgfältig eingeschätzt werden, weil sie häufig noch wenig Impulskontrolle haben und Grenzen anderer Hunde schlechter respektieren.
Eine gute Hundepension berücksichtigt solche Faktoren bei der Aufnahme und Gruppeneinteilung.
9. Eingewöhnung statt „einfach dazustellen“
Ein weiterer großer Unterschied zwischen Hundepensionen ist die Eingewöhnung. Manche Hunde werden ohne vorheriges Kennenlernen direkt in eine bestehende Gruppe gesetzt. Das kann funktionieren – muss es aber nicht.
Für viele Hunde ist ein langsames Kennenlernen deutlich sicherer. Dabei wird zunächst beobachtet, wie der Hund auf die Umgebung, die Menschen und einzelne passende Hunde reagiert. Erst danach wird entschieden, ob und mit wem Gruppenkontakt sinnvoll ist.
Ein Probetag oder Kennenlerntermin ist deshalb kein bürokratischer Aufwand, sondern ein wichtiges Sicherheitsinstrument. Er hilft der Pension, den Hund realistisch einzuschätzen. Gleichzeitig hilft er dem Hund, die neue Umgebung nicht erst am Tag der Urlaubsbetreuung kennenzulernen.
Je besser die Eingewöhnung, desto geringer das Risiko von Überforderung und Fehlentscheidungen.
10. Schlechte Aufsicht: Der Mensch greift zu spät ein
Eine der zentralen Fragen lautet: Ist wirklich jemand bei den Hunden – oder werden sie nur „laufen gelassen“?
Aufsicht bedeutet mehr als körperliche Anwesenheit. Es reicht nicht, in der Nähe zu stehen und gelegentlich hinzuschauen. Gute Aufsicht heißt, Verhalten aktiv zu lesen, Gruppendynamik zu verstehen und frühzeitig zu regulieren.
Das kann bedeuten:
einen aufdringlichen Hund kurz herauszunehmen,
einem unsicheren Hund Abstand zu ermöglichen,
eine Rennsequenz zu unterbrechen, bevor sie kippt,
Hunde bei zu hoher Erregung zu trennen,
Ruhephasen einzuleiten,
Ressourcen zu entfernen,
Gruppen neu aufzuteilen.
Beißereien passieren oft nicht in einer einzigen Sekunde. Häufig gibt es vorher viele kleine Warnsignale. Wer diese erkennt, kann rechtzeitig eingreifen. Wer sie übersieht, erlebt den Vorfall scheinbar „plötzlich“.
11. Zu wenig Personal erhöht das Risiko
Auch die beste Fachkraft kann nicht unbegrenzt viele Hunde gleichzeitig beobachten. Der Betreuungsschlüssel ist deshalb ein entscheidender Sicherheitsfaktor.
Je nach Hundegruppe, Gelände, Temperament und Betreuungsform kann die notwendige Personalstärke stark variieren. Eine kleine ruhige Gruppe braucht weniger Eingriffe als eine dynamische Gruppe mit jungen, aktiven Hunden. Wichtig ist: Die Anzahl der Hunde muss zur Anzahl und Erfahrung der Betreuungspersonen passen.
Wenn zu viele Hunde mit zu wenig Personal betreut werden, entstehen blinde Flecken. Dann werden Spannungen später erkannt, einzelne Hunde gehen unter, und Managementmaßnahmen kommen zu spät.
Gute Hundepensionen begrenzen ihre Kapazitäten bewusst. Nicht jeder freie Quadratmeter sollte automatisch mit weiteren Hunden belegt werden.
12. Fehlende Informationen vom Halter
Auch die Hundebesitzer spielen eine wichtige Rolle. Eine Hundepension kann nur dann gut planen, wenn sie ehrliche und vollständige Informationen bekommt.
Manche Halter beschreiben ihren Hund als „verträglich“, obwohl es bereits Vorfälle gab. Andere verharmlosen Ressourcenverteidigung, Unsicherheit, Leinenaggression oder Jagdverhalten. Oft geschieht das nicht aus böser Absicht. Viele Menschen hoffen einfach, dass es in der Pension schon gut gehen wird.
Für die Sicherheit des eigenen Hundes und aller anderen Hunde ist Ehrlichkeit jedoch entscheidend. Eine gute Pension fragt deshalb gezielt nach Verhalten, Vorgeschichte, Krankheiten, Fütterung, Unverträglichkeiten und bekannten Auslösern.
Wichtige Informationen sind zum Beispiel:
Gab es schon einmal Beißvorfälle?
Verteidigt der Hund Futter, Spielzeug oder Liegeplätze?
Wie verhält er sich bei fremden Hunden?
Ist er eher ängstlich oder sehr stürmisch?
Kann er alleine zur Ruhe kommen?
Hat er Schmerzen oder gesundheitliche Einschränkungen?
Ist er kastriert, intakt oder aktuell hormonell auffällig?
Wie reagiert er auf kleine Hunde, große Hunde, Welpen oder alte Hunde?
Je klarer diese Informationen sind, desto besser kann die Pension entscheiden, welche Betreuung geeignet ist.
13. Gesundheit und Schmerzen als unterschätzte Auslöser
Ein Hund, der Schmerzen hat, ist oft weniger tolerant. Gelenkprobleme, Zahnschmerzen, Hautprobleme, Ohrenentzündungen, Verdauungsbeschwerden oder neurologische Einschränkungen können dazu führen, dass ein Hund schneller gereizt reagiert.
Gerade ältere Hunde oder Hunde mit bekannten Erkrankungen brauchen besondere Rücksicht. Wenn sie von jungen Hunden angerempelt werden oder keine Ruhe bekommen, kann es schneller zu Abwehrverhalten kommen.
Auch deshalb ist es wichtig, dass Hundepensionen gesundheitliche Informationen ernst nehmen und Hunde nicht nur nach „verträglich“ oder „nicht verträglich“ einteilen. Ein sozial freundlicher Senior kann trotzdem ungeeignet für eine wilde Junghundegruppe sein.
14. Warum manche Pensionen deutlich weniger Beißereien haben
Hundepensionen, in denen Beißereien selten sind, haben meist kein „Glück“, sondern ein gutes System. Sie vermeiden viele Risiken, bevor sie entstehen.
Typische Merkmale einer professionellen und sicheren Betreuung sind:
gründliche Aufnahmegespräche,
Kennenlernen oder Probetag vor der Betreuung,
individuelle Einschätzung jedes Hundes,
kleine und passende Gruppen,
getrennte Fütterung,
keine unkontrollierte Ressourcenverteilung,
klare Ruhezeiten,
ausreichend Personal,
geschulte Beobachtung der Körpersprache,
Trennmöglichkeiten und strukturierte Bereiche,
ehrlicher Umgang mit Grenzen,
Bereitschaft, Hunde auch einzeln zu betreuen, wenn Gruppe nicht passt.
Besonders wichtig ist die Haltung der Pension: Sicherheit geht vor Auslastung. Eine gute Hundepension nimmt nicht jeden Hund in jede Gruppe, nur weil ein Platz frei ist. Sie entscheidet fachlich, was für den einzelnen Hund und die Gruppe verantwortbar ist.
15. Eine gute Pension sagt auch einmal Nein
Ein professioneller Betrieb erkennt seine Grenzen. Nicht jeder Hund eignet sich für Gruppenbetreuung. Das ist keine Abwertung des Hundes. Manche Hunde sind in Einzelbetreuung, in kleinen Zweiergruppen oder mit sehr begrenztem Sozialkontakt deutlich besser aufgehoben.
Ein „Nein“ zu einer bestimmten Betreuungsform kann deshalb ein Zeichen von Qualität sein. Es bedeutet: Die Pension nimmt Sicherheit ernst.
Problematisch ist eher, wenn jede Anfrage angenommen wird, jeder Hund sofort in die Gruppe darf und Konflikte erst dann beachtet werden, wenn bereits etwas passiert ist.
16. Beißerei ist nicht gleich Beißerei
Trotz bester Vorsicht kann es unter Tieren nie eine hundertprozentige Garantie geben. Hunde sind Lebewesen, keine Maschinen. Auch in einer sehr guten Hundepension kann es zu einem Zwischenfall kommen.
Wichtig ist jedoch die Unterscheidung: War es ein unvorhersehbarer Einzelfall trotz guter Prävention? Oder war der Vorfall das Ergebnis vermeidbarer Fehler?
Ein professioneller Umgang zeigt sich daran, wie transparent die Pension kommuniziert, wie sie den Vorfall analysiert und welche Konsequenzen sie daraus zieht. Dazu gehören medizinische Versorgung, Information der Halter, Dokumentation und Anpassung des Managements.
Verantwortung bedeutet nicht, zu behaupten, dass nie etwas passieren kann. Verantwortung bedeutet, Risiken fachlich zu erkennen, sie so weit wie möglich zu reduzieren und im Ernstfall korrekt zu handeln.
17. Worauf Hundehalter bei der Auswahl achten sollten
Wer eine Hundepension sucht, sollte nicht nur nach Preis, Entfernung oder schönen Fotos entscheiden. Wichtiger sind fachliche Fragen:
Gibt es ein Aufnahmegespräch?
Wird nach Verhalten, Gesundheit und Vorgeschichte gefragt?
Gibt es einen Probetag oder ein Kennenlernen?
Wie werden Hundegruppen zusammengestellt?
Wie groß sind die Gruppen?
Gibt es Ruhezeiten?
Werden Hunde getrennt gefüttert?
Wie wird mit Spielzeug und Kauartikeln umgegangen?
Wie viele Betreuungspersonen sind anwesend?
Gibt es Einzelbetreuung, falls Gruppe nicht passt?
Wie wird mit Stress, Unsicherheit oder Konflikten umgegangen?
Werden Hunde dauerhaft beaufsichtigt, wenn sie zusammen sind?
Eine gute Hundepension wird solche Fragen nicht als Misstrauen empfinden, sondern gerne beantworten. Denn Transparenz schafft Vertrauen.
18. Unser Fazit: Sicherheit entsteht durch Fachwissen, Struktur und ehrliche Einschätzung
Beißereien in Hundepensionen passieren nicht einfach zufällig. Meist entstehen sie durch eine Kombination aus Stress, unpassenden Gruppen, zu wenig Ruhe, fehlender Aufsicht oder falsch eingeschätzter Körpersprache.
Der wichtigste Sicherheitsfaktor ist deshalb nicht die Größe des Auslaufs oder die Anzahl der Spielkameraden. Entscheidend ist das Management: Welche Hunde werden zusammengeführt? Wie wird beobachtet? Wann wird eingegriffen? Gibt es Ruhe? Gibt es Rückzug? Wird individuell entschieden?
Eine gute Hundepension erkennt, dass jeder Hund anders ist. Manche Hunde genießen passende Gesellschaft. Andere brauchen Abstand. Manche spielen gerne. Andere möchten vor allem Ruhe und Sicherheit. Professionelle Betreuung bedeutet, diese Unterschiede ernst zu nehmen.
Unser Anspruch ist deshalb: nicht möglichst viele Hunde irgendwie zusammenzubringen, sondern jedem Hund eine passende, sichere und stressarme Betreuung zu ermöglichen. Denn echte Fürsorge beginnt nicht erst, wenn etwas passiert – sondern lange davor.
Eine persönliche Anmerkung der Pfötchen-Residenz
Zum Schluss möchten wir noch etwas Persönliches ergänzen: In über 11 Jahren Hundepension hatten wir einen einzigen Beißvorfall. Dieser ereignete sich innerhalb einer Hundegruppe, die vollständig zu einem Halter gehörte. Es handelte sich um zwei unkastrierte Hündinnen, von denen eine kurz vor der Läufigkeit stand. Zusätzlich bestand zwischen den Hunden bereits eine Rangordnungs- beziehungsweise Dominanzproblematik, die durch zu wenig klare Erziehung und Führung im Alltag begünstigt wurde.
Wir erwähnen das nicht, um Schuld zuzuweisen oder uns selbst auf einen Sockel zu stellen. Wer mit Hunden arbeitet, weiß: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Hunde sind Lebewesen, und selbst bei größter Sorgfalt können Situationen entstehen, die sich nicht zu hundert Prozent ausschließen lassen.
Wichtig ist für uns aber, aus solchen Situationen die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Seit diesem Vorfall trägt der betreffende Hund bei jeder weiteren Betreuung bei uns einen Maulkorb. Nicht als Strafe, sondern als verantwortungsvolle Sicherheitsmaßnahme – zum Schutz aller Hunde, der Menschen und letztlich auch des Hundes selbst.
Trotzdem macht uns diese Bilanz dankbar und auch ein Stück weit stolz. Denn sie zeigt uns, dass unser Weg offensichtlich gut und richtig zu sein scheint. Unsere Abläufe, Entscheidungen und Sicherheitsmaßnahmen sind über viele Jahre gewachsen, wurden immer wieder hinterfragt, angepasst und verbessert.
Für uns ist dieser eine Vorfall deshalb kein Grund, die Arbeit mit Hundegruppen grundsätzlich infrage zu stellen – aber sehr wohl ein Grund, weiterhin wachsam, ehrlich und konsequent zu bleiben. Gute Hundebetreuung bedeutet für uns nicht, Risiken schönzureden, sondern sie zu erkennen, ernst zu nehmen und jeden Tag verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen.
Beste Grüße,
Hendrik Groth
(Hundetrainer mit Herz und Verstand)

